Das System Architektur
Wie beeinflusst Landschaft und Geschichte ein Gebäude? Wie wirkt die Region und die Umgebung, in der man baut, auf einen Entwurf? Wie spielen Faktoren wie Zeit, Topographie, Politik, Gesellschaft, Ökonomie, Architektur, ... zusammen? Warum behalten manche Gebäude über Generationen hinweg ihre Faszination und andere nicht? Wie wird Architektur erzeugt, und wie lässt sie sich überhaupt beurteilen?
Fragen, die sich nicht einfach logisch beantworten lassen. Es geht immer um ein Rückwirken des einen Bereichs auf einen anderen, und in einem dritten oder vierten zeigen sich dann vielleicht plötzlich die Folgen des Zusammenspiels der beiden ersten. Scheinbar gibt es eine netzartige, kybernetische Struktur, die zum Beispiel Baukultur entstehen lässt. Dabei zeigen sich die Vorgänge des Entwerfens, Benutzens und Beobachtens als verwandt. Ebenso scheinen die Prozesse auf gesellschaftlicher, regionaler und persönlicher Ebene untrennbar zu sein.
Das System Architektur ist nicht-trivial - es lässt sich nicht logisch erklären, es ist vergangenheitsabhängig, seine Ergebnisse sind völlig unvorhersehbar, und seine innere Struktur befindet sich im ständigen Wandel.
Diese Arbeit kann und will daher nicht erschöpfend sein. Im Gegenteil sogar, sie versucht mehr Fragen aufzuwerfen, als Antworten zu geben, indem sie sich auf die den Ergebnissen zugrunde liegenden Prozesse konzentriert, statt auf deren formalen Ausdruck.
Die einzelnen Gedankengänge und genannten Beispiele sollen dazu anregen, gewohnte Perspektiven zu verlassen und scheinbar unveränderliche Rahmen zu hinterfragen.
Wie das Beispiel der nicht-trivialen Maschinen gezeigt hat, kann nur die Berücksichtigung innerer Zustände zu einer dynamischen Stabilität führen. Daher ist diese Arbeit als Aufforderung zum Dialog, zur gemeinsamen Suche nach kognitiven blinden Flecken zu verstehen. Denn erst wenn wir unser Unwissen erkennen, können wir beginnen es zu überwinden (vgl. von Foerster 1993a).
Dass eine dynamische Stabilität unbedingtes Ziel ist, wird aus dem Benutzer-Gebäude-Verhältnis offensichtlich. Einem Bauherrn oder einer Region nur zufällige Qualitäten zu versprechen, wäre unverantwortlich und würde auch kein Vertrauen erzeugen. Und dass dieses dem Architekten gegenüber nur in den seltensten Fällen ungebrochen entgegen gebracht wird, legt letztendlich die Systemschwächen frei.
Der erste Schritt muss daher sein, Kommunikation und Kooperation einzuführen.
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